Stilll ist es geworden in meiner Küche, seit ich angekündigt habe, hier ein bisschen kürzer zu treten. Umso größer meine Überraschung heute, als ich eine mir bekannte Stimme vernahm:
Willkommen LeGour, fühl Dich wie zu Hause in Deiner Küche. Mach es Dir gemütlich. Was darf ich Dir zu trinken anbieten? Ich habe mir erlaubt, Deinen Kühlschrank in der Zwischenzeit etwas aufzufüllen.
Hey Mimi! Danke! Meinen Kühlschrank auffüllen? Ha! Da wirst du aber nicht grad viel Platz gefunden haben... Äh, ich hätt gern ein Fiege-Pils.
Du hast bisher noch nicht gesehen, wie ich im Kühlschrank stapeln kann. Aber entschuldige, was ist ein Fiege-Pils?
So genau weiß ich das auch nicht. Ich war mal in Bochum und dortselbst in einer eher kleinen Brauerei-Wirtschaft. Dort hab ich mich köstlich amüsiert über die Einheiten, in denen das Bier serviert wird. "Normal" sind da wohl 0,2l, "groß" sind 0,3l und 0,4l – also nichtmal eine Halbe – ist schon so eine Art "Kingsize". Für meinen Münchner Gaumen waren diese Zahnputzbecher-Maße damals sehr lustig. Entscheidend aber ist, dass mir das Bier supergut geschmeckt hat. Trotz des Münchner Gaumens.
Wie sieht ein ganz normaler Einkauf bei Dir aus?
Ja mei, gell, ich geh halt in ein Geschäft rein und kaufe was. Manchmal hab ich auch einen Plan im Kopf. Es wäre ja ungeschickt, Nudeln zu kaufen, wenn ich Kartoffelgratin machen will. Aber meist nehm ich dann auch Sachen mit, die mir einfach gefallen oder mich auf Ideen bringen. Das hat u.a. zur Folge, dass mein Kühlschrank ziemlich voll ist – wie du ja sicher festgestellt hast...
Ist mir aufgefallen.. Erzähl mal, was hat Dich dazu verleitet, regelmässig fremde Menschen in Deine Küche einzuladen?
Die Idee selbst ist eigentlich geklaut. Vor 6 Jahren ungefähr, als „Blog“ noch kein Wort war, war ich in einer kleinen Community aktiv, und dort gabs ein Forum, in dem ein Mitglied den anderen einen Fragebogen geschickt und die Antworten dann veröffentlicht hat. Inzwischen gibt es Blogs, und nachdem sich blog.de zur Community entwickelt hat, hab ich das auf meine Art umgesetzt. Angesichts meiner Lieblingsbeschäftigung lag es nahe, das mit einem Küchenevent zu verbinden. - Die Dimension des Projekts hatte ich vor einem Jahr allerdings nicht geahnt. Ich dachte, dass maximal mein "Inner-Circle" da mitmachen würde, vielleicht noch ein paar entferntere Mitblogger. Dank der Frage nach weiterer Einladung hat sich das Ganze dann schnell verselbständigt. Inzwischen besuchen mich Blogger aus der ganzen weiten Welt – besuchten: Denn seit ich den Headertext geändert hab, traut sich wohl keiner mehr, sich den Fragen zu stellen. Und offensichtlich haben sich für mein Projekt ja mehr oder weniger originelle Nachfolger gefunden... ![]()
Wenn Du auf ein Jahr Küchengespräche zurück blickst, welche waren Deine Lieblingsgespräche?
Auf jeden Fall alle die meiner Blog“freunde“ und anderer, deren Blogs ich schon kannte. Ganz persönlich haben mir die besser gefallen, die sich ernsthaft mit den Fragen auseinandersetzten, als die, die sich eher satirisch damit befassten. Und ganz besonders natürlich das Gespräch mit Merlin, meinem Wunderneffen.
Und was hat Dir an Ihnen gefallen?
An allen Interviews gefällt mir, dass ich etwas über den Mensch hinter dem Blogger erfahre. Bei Merlin kommt dazu, dass er unheimlich eloquent ist, auch wenn er im persönlichen Gespräch sonst eher einsilbig antwortet.
Verstehe. Welche Fragen hättest Du diesen Gesprächspartnern gerne gestellt, wenn Du mehr Freiraum dazu gehabt hättest?
Das ein oder andere Mal hätte ich sicher gerne nochmal nachgefragt, um auch Hintergründe zu erfahren. Kurzzeitig hatte ich das auch mal überlegt, aber schnell festgestellt, dass es den Rahmen sprengen würde. Und zwar meinen zeitlichen. Ansonsten gäbe es natürlich noch Unmengen von interessanten Fragen – nach einer Weile hab ich mich aber entschieden, bei genau diesen Fragen zu bleiben. Wegen der Übersichtlichkeit und auch, um vergleichen zu können.
Das kann ich mittlerweile gut nachvollziehen. Aber wo wir uns gerade in Deiner Küche finden, angenommen, Du hättest die Wahl, dass ich Dich bekoche, während wir plaudern. Was würdest Du Dir wünschen?
Vor allem, dass du danach auch abspülst! ![]()
Beim Essen bin ich nicht so heikel. Schmecken muss es. Insofern ist mir also am Liebsten, du kochst etwas, was du gerne kochst und was dir gelingt. Ob das nun gutbürgerlich oder exotisch ist, ist egal.
Monsieur, Du erwartest doch nicht, dass es Essen gibt, welches mir nicht gelingt? Aber sag mal, womit hast Du Deinen heutigen Tag verbracht, bevor Du her gekommen bist, um Dich mit Bier abfüllen zu lassen?
Oh, da ich grade einen Kurzurlaub habe, ist mein Tagesablauf nicht von der Erwerbsarbeit geprägt. Heute war ich nach einem ausgedehnten Frühstück kurz einkaufen. Danach hab ich gespachtelt, was das Zeug hält – nicht, was du denkst, sondern im Wortsinne. Ich habe in meiner Wohnung mehrere Bohrlöcher und einen ziemlich großen Krater in einer Wand zugegipst. Das war längst an der Zeit.
Dann habe ich eine asiatische Hühnersuppe gemacht (WanTan-Blättchen habe ich blöderweise nicht aufgetrieben, dafür gabs halt Nudeln), mich zu einem Mittagschläfchen hingelegt (vergeblich), dies und das gemacht. Abends war ich mit ein paar Leuten im Kino. „Ein Freund von mir.“ Nett. Als ich heimkam, hatte ich plötzlich und unerwartet Besuch in meiner Küche... (den Rest liest du gerade)
Und das, wo Du doch eher selten zu Spontaneität neigst. Und wie würdest Du den morgigen gerne verbringen?
Genau so, wie ich ihn verbringen werde: In meiner Lieblingssauna. Zwar werd ich nicht der Einzige sein, weil ja (hier zumindest) Feiertag ist, aber das macht nichts. Vor das Saunen hat der Herr allerdings noch das Bügeln gesetzt. Aber das finde ich auch sehr entspannend. Kurz: Alles, was zu einem Relax-Tag gehört. Denn am Donnerstag ist der Kurzurlaub auch schon wieder vorbei.
Womit verdienst Du ab Donnerstag dann wieder Dein Geld?
So gut wie garnicht. Im sozialen Bereich erhält man nur eine Frustrationsprämie, so eine Art Aufwandsentschädigung. Für diese arbeite ich als diplomierter Sozialarbeiter und Mediator in einer Beratungsstelle. Meine Schwerpunkte sind Erziehungs- und Jugendberatung, außerdem mach ich noch Erziehungsbeistandschaften (das ist so ne Art Supernanny). Eine sehr schöne Arbeit, sehr abwechslungsreich. Und nachdem ich auch schon gut bezahlten Tätigkeiten nachgegangen bin, weiß ich, was mir wichtiger ist – Lebensqualität und Freude an der Arbeit ist nicht durch Geld ersetzbar.
Womit wolltest Du es als kleiner Junge immer verdienen?
Ich war noch kurz vor dem Abitur völlig planlos. Eher aus Verlegenheit hab ich dann eine Ausbildung zum Handelsfachwirt gemacht und nichtmal schlecht abgeschlossen. Aber anstatt da Karriere zu machen, hab ich umgesattelt und wollte Pfarrer werden. Leider war das Theologie-Studium ziemlich sprachenorientiert, was nicht grad meine Stärke ist. Nach immerhin sieben Semestern hab ich das Handtuch geworfen. Zumal ich endlich meine wahre Berufung erkannt hatte, die soziale Arbeit.
Und was treibst du in deiner Freizeit, abgesehen von Sauna und Bügeln?
Momentan bin ich noch in diversen Gremien der Jugendarbeit aktiv. Das sind zum Teil Relikte aus meiner Tätigkeit davor, die ich aber jetzt nach und nach auslaufen lasse. Alle ein bis zwei Wochen arbeite ich in einem Café als Koch. Das ist ein Freiwilligenprojekt von und für Menschen mit und ohne Behinderung. Das macht mir ganz besonders viel Spaß, zum einen wegen den Menschen da, zum anderen, weil Gastro-Kochen schon lange mein großer Traum ist.
Wo wir es gerade von schönen Dingen hatten, wie möchtest Du Deinen Lebensabend verbringen?
Mit Olivenöl, viel Knoblauch, Wein, einer lieben Frau und zahlreichen Enkeln. Irgendwo im Süden.
Im Jetzt, in welcher Stadt befindet sich da Deine Küche? Und was hat Dich hierhin verschlagen?
Augusta Vindelicorum. Ich bin vor knapp 7 Jahren hier hergezogen, weil es die einzige Stadt in Deutschland ist, die einen eigenen Feiertag hat ich aus München weg wollte und trotzdem für meine Tochter in Reichweite bleiben wollte. Sie war damals 9 Jahre alt. Inzwischen bin ich großer Fan von Augsburg und kann mir nicht vorstellen, wieder nach München zu gehen.
Ich hab gestern gelesen, es soll angeblich diese Woche schon schneien. Ich hasse Kälte .. was ist Deine Lieblingsjahreszeit?
Ich steh nicht auf Extreme. Drum sind mir Frühling und Herbst am Liebsten. Dieses Jahr scheint der Herbst ja auszufallen. Aber der Oktober war wirklich genial. Fast so wie im Süden.
Wie bist Du eigentlich zum Bloggen gekommen?
Zuerst hab ich bei blogger.com ein bissl rumprobiert, ohne viel Spaß dabei zu haben. Monate später hab ich in einem Newsletter gelesen, dass blog.de grad am Entstehen ist und Gründungsmitglieder gesucht werden. Ich hab mich registriert. Am nächsten Tag wollte ich mit meiner Tochter entspannt durch die Stadt bummeln – fand mich aber plötzlich mit einem Liegestuhl in der Hand wieder. Den Liegestuhl haben wir in der Gepäckaufbewahrung vom Karstadt zwischengelagert. Zuhause angekommen hab ich mich in ebendiesen auf den Balkon gesetzt, einen Tee getrunken und dieses Wahnsinns-Erlebnis aufgeschrieben. So genau wolltest du das alles wissen, gell? ![]()
Gern sogar noch genauer.
Wenn Du eine Farbe wärst, welche wärest Du?
Terracotta
So genau wollte ich das wiederum nicht wissen
. Was würdest Du gerne an Dir verändern, wenn Du könntest?
Da fallen mir zuerst ein paar eher physische Dinge ein. Ein bisschen mehr Sportlichkeit, die sich auch in der Figur ausdrückt. Eine bessere Körperhaltung. Ich hätt außerdem gerne einige meiner Haare zurück. Dann würde ich gerne länger schlafen können – ich bin Frühaufsteher und Frühschläfer. Und ich wär manchmal gern etwas spontaner.
Nachdem wir uns darüber unterhalten haben, was Du gerne verändern würdest, was magst Du denn besonders an Dir?
Meinen Humor, meine Empathie, meine beneidenswerten Soft-Skills. Und meine Hände, die nicht nur schön aussehen...
..Sondern auch?
Naja, ich hab halt eine gute Feinmotorik. Nennt man auch Fingerfertigkeit, glaube ich...*g*
Was bringt Dich zum Lächeln?
Am Liebsten ein Lächeln, das ich erwidern kann. Manchmal aber auch die bescheuertsten Dinge wie zB eine rührselige Fernsehwerbung.
Und was macht Dich so richtig wütend?
Rücksichtslosigkeit. Gefühllosigkeit. Maßlosigkeit. Möglicherweise die meisten -losigkeiten.
Wir haben uns ja schon an anderer Stelle zu Genüge über meine Macken unterhalten, jetzt mal Hand aufs Herz, was für welche hast Du?
Ich werde abends früh müde und geh dann auch ins Bett. Dafür wach ich morgens früh auf.
Ich gehe nachts aufs Klo.
Ich esse keine Fertiggerichte.
Ich bügle alle Klamotten (außer Unterwäsche natürlich).
..und welche magst Du bei Frauen?
Ach Gott. Schon aus strategischen Gründen würde ich niemals offen sagen, eine Macke nicht wenigstens „irgendwie auch liebenswert“ *säusel* zu finden...
Das war jetzt keine wirkliche Antwort..
Ich unterhielt mich vorhin schon mit jemand anders über die anstehenden Feiertage, wie verbringst Du denn gerne Weihnachten?
Genau so.
Kommen wir zu den schlüpfrigeren Details: Wie können Dir Frauen den Kopf verdrehen?
Mit braunen Augen, der Rest ist nicht so wichtig.
Im Ernst, entscheidend ist das gewisse Etwas. Dazu gehören verschiedene Intelligenzen (soziale, emotionale, kulinarische...), Genussfähigkeit (ganz wichtig) und bestenfalls ein süßes Lachen.
Angenommen, sie haben braune Augen und dieses gewisse Etwas, wie verdrehst Du ihnen dann ihren Kopf?
Meistens erst im zweiten Anlauf. Nachdem mich die Natur nicht unbedingt mit den üblichen optischen Reizen ausgestattet hat, musste ich andere Qualitäten entwickeln. Die kommen aber erst zum Vorschein, wenn man mich schon ein bisschen kennt.
Wie geht es nach dem Kopf verdrehen weiter?
Wie jetzt – du willst ernsthaft wissen, was zwischen Kopf verdrehen (Frage oben) und Bett (Frage unten) passiert?
Jap
Da gibt es keinen Standard – hey, das wär ja schlimm. Schließlich gehören da doch zwei dazu, oder?
Wenn Ihr dann im Bett landet, begegnet sie einem Tiger oder einer Schmusekatze?
Einem Schmusetiger. (haha, auf meine sinngemäße Frage haben 90 % geantwortet: „Kommt drauf an“. Das ist ja wohl klar, deswegen ist die Frage eigentlich völliger Mist. Andererseits haben nur wenige die Frage weggelassen. Also, obwohl die Antwort vorhersehbar ist, ist sie doch irgendwie wichtig). Ganz wichtig ist mir Innigkeit. Dazu gehört eine nicht nur körperliche Nähe.
Nach diesem durchaus interessanten Einblick kommen wir dann wieder zu den etwas ruhigeren Tönen: wie schläfst Du am Liebsten?
Am Liebsten zu zweit. Seltsamerweise schlafe ich da besser (außer sie schnarcht). In Seitenlage. Und die Decke sollte Komfortgröße haben.
Wenn Du für einen Tag Teil eines Romans sein könntest, welcher wäre das und warum?
Da versteh ich die Frage nicht.
Gut. Setzen wir voraus, Du liest gerne Bücher. In welchem Buch würdest Du gerne einen Tag mitspielen/-leben, wenn Du könntest? Hm.. jetzt verständlicher?Ja ok. - Ohweh... was für eine Frage. Ich antworte mal sehr diplomatisch: In der Bibel. Da ist alles drin, was das Leben an Genüsslichkeiten und Ungenießbarkeiten bereithält. Ersatzweise im Drehbuch von „Harry & Sally“, einem meiner Lieblingsfilme.
Und bevor ich noch eine Flasche Wein öffne und Dich als Überraschung doch bekoche, eine letzte Frage. Wie wird es mit Deinem Leben nach den Küchenplauderein weitergehen?
Na, entweder suche ich mir einen anderen Ort zum Plaudern oder eine andere Beschäftigung mit meinen Gästen in der Küche... ![]()
Und was kochst du uns nun?
Eine andere Beschäftigung? Soso..
Hm, lass mich überlegen, ich könnte mariniertes, gebackenes Hühnchen mit gebackenem Gemüse und Reis machen? Solltest Du nicht so viel Zeit haben, wäre notfalls auch eine Wan Tan Suppe möglich.
Ok, ich nehm beides! ![]()
Besten Dank für das Gespräch!
Ich danke für den freundlichen Überfall, Mimikry!
Und wer jetzt noch nicht genug hat, geht direkt zu leGour.





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